Wir nähern uns dem Winter. Der Hallensaison. Das heißt der Hälfte des Jahres, in der sich die meisten Reiter in der Halle aufhalten. Die Einen zum Reiten, die Anderen, um – nun ja – andere Bewegungsmöglichkeiten mit ihrem Pferd wahr zu nehmen.  In jedem Fall bleibt es nicht verborgen, was Pferd und Reiter so an Können vorweisen, da sich zu Stoßzeiten (bürobedingt oder so) viele Exemplare gleichzeitig in der Halle aufhalten und auch gegenseitig beobachten und einschätzen. Das ist ja das Schöne am Reitsport, in Bezug auf die Beurteilung anderer Reiter und ihrer reiterlichen Fähigkeiten hat jeder (!) Leistungsklasse 1. Dazu zertifiziert ist man automatisch, wenn man meint, dass man nur deutlich genug seine Meinung kundgeben möchte. Alter, tatsächliches Können und Erfahrung spielen eine untergeordnetere Rolle. Grundsätzlich kann man aber beobachten, dass dieses Phänomen proportional zum tatsächlich steigenden reiterlichen Können und Talent eher abnimmt.

Selbstverständlich ist niemand davor gefeit selbst zum Beurteilungsobjekt zu werden. Das macht auch nichts, würde es denn dem gesunden Austausch von hilfreichen Informationen dienen. Aber einigen Sportskameraden ist das selbst in diesem (seltenen) Fall unangenehm. Reiten ist halt schwer zu erlernen und fertig wird man ohnehin niemals damit. Was also tun, wenn man zwar gerne mit großen Plüschhamstern zu tun haben möchte, aber sich tunlichst vor dem mühsamen Prozess des Reitenlernens mit Trainingsstunden im heißen Sommer (Schwitzen?) oder Winter (Schwitzen? …UND Frieren?) drücken will?

Es gibt da verschiedene zu beobachtende Varianten, die aber meistens einem Ritual folgen, welches wie folgt abläuft: “Schnucki hat da irgendwie was, er ist komisch…” Dieser Ausgangssatz in verschiedenen Varianten bedeutet, dass demnächst ein Termin mit der Physiotherapeutin für Schnuck ansteht. Demnächst, das heißt morgen, wird Schnucki durchgeknetet und gewalkt, was Schnucki durchaus nicht unangenehm findet. Grundsätzlich hat so eine Behandlung auch großen Nutzen, was wir hier gar nicht in Frage stellen möchten. Eventuell sind bei Schnucki, je nach Besitzerwunsch, noch ein zwei Wirbel verschoben und Gelenke verdreht. Gott wie konnte der Arme nur so laufen! Die Besitzerin muss jetzt nach Anweisung die nächsten Tage nur am Halfter longieren (oh welche Freude der anderen Reiter, wenn Schnucki dabei wieder die Wildsau in der Halle rauslässt! “Hooooooooo Schnucki, Ruuuuuhig!” Schnucki: “Verstopfte Ohren!”)

Nach Tagen des Longierens und des Nicht-Reiten-Müssens folgt die Nachkontrolle. Entweder ist alles in Ordnung und es müsste normal weitergehen oder es kommt eine Folgebehandlung, die erneutes Nicht-Reiten rechtfertigt. Bei erster Möglichkeit wird der Osteopath gerufen, quasi die 2.0 Version, um jetzt richtig loszulegen bei Schnucki. Das Schnucki-Pferd findet dieses Behandlung jetzt schon wieder weniger entspannend. Auch danach darf weiter longiert werden. Wenn wir jetzt schon den halben Winter und damit die halbe Hallensaison geschafft haben, gibt es immer noch die Möglichkeit einen neuen Sattel zu benötigen. Schnucki hat einen Problemrücken, womit die Suche sich als langwierig und schwierig herausstellt. Eventuell benötigt man einen Maßsattel. Bis der geliefert wird dauert es allerdings noch einige Zeit. Also wird gebodenarbeitet, was das Zeug hält, sowieso immer eine beliebte Variante, um nicht auf dem Pferd herumwackeln zu müssen. Und wenn es mal komisch aussieht, kann man immer noch behaupten, das müsse so sein, weil man nach Guru Weißallesbesser gelernt hat.